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Die verrückten  Wege  der  Prominenz

Schwarzwälder Super-Treppenläufer Thomas Dold bei Frank Elstner im Fernsehen

Lange Zeit hielten viele den Steinacher Rückwärts- und Treppenläufer Thomas Dold (22) einfach nur für einen Verrückten – inzwischen ist er ein prominenter Verrückter.
»Der Frank Elstner hat mich am Samstag in seiner Sendung >Menschen der Woche< natürlich gefragt, ob ich richtig ticke«, erinnert sich  der aktuelle Gewinner des  Empire-State-Treppenlaufs in New York  noch ganz frisch. Dold, nicht nur auf den beinen schnell, sondern auch nicht auf den  Mund gefallen, hat dem Meister der gepflegten Fernseh-Unterhaltung  im alten Baden-Badener E-Werk auf gut Badisch geantwortet: »Ich  denke, ich bin völlig normal. So normal wie Tausende von  Verrückten, die jahraus, jahrein mehr als 42 Kilometer durch  größere und kleinere Innenstädte der Welt hecheln«.
Die anderen mehr oder wenige Prominenten in der Runde –  Berndt  Georg  Thamm (Experte für Banden-Kriminalität), Alexandra Kamp (40- jährige Schauspielerin, die sich für den neuen Playboy ausgezogen  hat), Frank Zander (Schlager-Sänger mit Reibeisenstimme), Patrick  Neelmeier (SWR-Reporter, der den neuen Airbus A 380 im Flug erlebt   hat) und Anton Steiner (Fachanwalt für Erbrecht) – kamen in  zustimmendes Grübeln.

Dold legt im E-Werk nach: Rückwärtslaufen sei anerkanntermaßen gut  gegen Verletzungsanfälligkeit, verbessere die Motorik, erhöhe nicht 
zuletzt das Denkvermögen. Elstner hakt  ein: »Schon was gemerkt davon?«
Dold: »Nicht so brachial. Aber wenn du so was richtig gut und  schnell kannst, dann steigert das natürlich auch enorm dein  Selbstvertrauen«.
Hintergrund: Dold ist sechsfacher Rückwärts-Weltrekordler auf den  Distanzen zwischen 400 und 3000 Meter.
Wie das mit den Treppenhäusern sei, will Elstner danach wissen, »da  möchte doch jeder zuerst rein«.
»Natürlich, der Erste hat  dabei auch die besten Chancen, weil  überholen schwer ist bei den beengten Platzverhältnissen«,  versichert Dold, »da muss man sich halt gleich am Anfang Platz  schaffen, sich durchsetzen«.
Es klappe nicht immer, gesteht der Steinacher, »aber es ist immer  wieder einen Versuch wert«.
Das ganze hat sich als Aufzeichnung zwischen 18 und 20 Uhr am  Samstag in Baden-Baden abgespielt. Nach 22 Uhr wurde die Sendung  »Menschen der Woche«  ausgestrahlt.
Schon als Gäste und Moderator aus dem Aufnahmestudio herauskamen,  hatte Dold den Eindruck gewonnen: »Der Elstner ist eine ganz große Persönlichkeit mit viel Einfühlungsvermögen – sehr ruhig und  souverän. Der hat eine ganze Menge auf dem Kasten«.
Als wollte Elstner das untermauern, hat der Unterhaltungs- Großmeister Thomas Dold im kleinen Kreis noch eröffnet, dass er die  Heimat des Kinzigtäler Läufers wie seine Westentasche kennt. »In Welschensteinach hab’ ich als Jugendlicher mit den Pfadfindern   regelmäßig in Zeltlagern kampiert«, erzählt Elstner.
Dold ist verblüfft: »Der kannte meine Laufstrecke aus dem Effeff –  den Sodhof, die Kambacher Hütte, die Höhenhäuser, den Fehrenbache  Hof . . .«

Rainer Henzel


»Hemmungslos«: Ronaldos Buch vom Leben ohne Zahnspange

Otto Rehhagel will das Werk seines Freundes dem deutschen Literatur- Papst Reich-Ranicki empfehlen

Es geht nix über ein Finale der Fußball-WM – höchstens der Titel-Gewinn.
Ronaldo, der brasilianische Superstar, steht kurz vor seinem größten Triumph und macht sich bereits Gedanken, wie er den Riesen-Erfolg vermarkten soll.
»Otto, viejo Aleman (alter Alemanne), ich muß jetzt zusehen, daß ich so schnell wie möglich viel Kohle mache. In diesem Geschäft weißt du nie, wie lange die Gesundheit mitspielt«, erklärt der Brasilianer dem deutschen Rehhagel in der Kneipe namens »V.I.P« am Hafen von St. Tropez.
Ronaldo hat spielfrei. Die Nobel-Yachten dümpeln in der Mittagsbrise.
Otto schmunzelt: »Jetzt mach’ mal halblang. Als ich so alt wie du war, hab ich für einen Appel und `en Ei gekickt. Du hast doch dein Schäfchen längst im Trockenen«.
»In principo, si! (Im Prinzip schon!)«, räumt der flinke Brasilianer ein, »aber wenn’s gut läuft, soll man keine Chance auslassen, Geld zu machen«.
»Du klingst, als hättest du was vor«, hakt Rehhagel nach.
»Correcto (stimmt)«, verrät der Bewunderer von Rehhagels Trainer- Künsten, »ich will ein Buch schreiben. So etwas muß man schon vor dem Titelgewinn  planen. Da geht nachher die Post umso besser ab«.
»Clever gedacht. Du hast’s nicht nur in den Füßen«, lobt Otto und nippt am roten Martini mit Eis.
»Hast du dir schon einen Titel für das Werk ausgedacht? Der ist doch immer das wichtigste.
Den Inhalt verzeiht einer Größe wie dir sowieso fast jeder«, will Otto wissen.
»Seguro (sicher), ich werde das Werk ›Hemmungslos!‹ nennen. Das macht Apetit auf mehr.  Du könntest mir übrigens helfen, mein Buch in Deutschland zu vermarkten, etwa im literari schen Quadtrat mit diesem Reich-Vraniczky«.
Otto lacht jovial: »Das heißt literarisches Quartett, aber ansonsten weißt du ganz schön Bescheid über unser Land. Daß du den Leuten mit dem Buchtitel Hunger auf Intimes machst, finde ich gut. Aber wenn du mit irgendwelchen Schweinereien kommst, kann ich  dich dem Ranicki nicht empfehlen. Du mußt mir zumindest einen Hinweis geben, was ungefähr Sache ist im Buch. Ich erzähl auch nix weiter«.
»Gut, Hombre (Kumpel), ich verlaß’ mich auf dich, ›Hemmungslos‹ handelt im Prinzip von meinen jugendlichen Leiden und wie ich sie überwunden habe!« »Aha«, gibt Otto preis, »und was heißt das im Klartext«.
Ronaldo druckst herum: »Als ich mit 18 meine Zahnspange ablegen durfte, begann für mich das Leben erst richtig. Daher der Titel ›hemmungslos‹ «.
Otto lacht herzlich: »Ich werd’ dich meinem Bekannten Ranicki ans Herz legen. Wir Leute mit der Zahnlücke müssen doch zusammenhalten, oder?«
 

Rainer Henzel

 




Frankfurter Blues im Schwarzwald
Die City Blues Band und ihr eindrucksvoller Sänge mischen Gengenbacher Stadthalle auf
 

Der Mann mit der gewaltigen Stimme von enormer Bandbreite ist ein Kracher. Als einziges überlebendes Urgestein der City Blues Band – die schon fast 40 Jahre alt ist – lässt der Exzentriker, der musikalische Exhibitionist, seine vier Begleiter an den Instrumenten in den Hintergrund treten – jeden Augenblick. Dabei sind die Jungs Profis, Vollprofis – jeden Augenblick.
Mit psychedelischen, jazzigen, südamerikanischen und gar meditativen Einflüssen reichern die Blues-Hessen in Gengenbach Altbekanntes an, was die Freunde der afro-amerikanischen Stilrichtung zu kennen glauben. August und Co. verwirren gekonnt – am Ende sind alle restlos begeistert von den einfallsreichen Hessen mit ihrem verrückten Front-Mann.
»Leute, wir haben den Song vom alten Otis Redding etwas vermurxt; Spaß beiseite: Wir haben das Ding besser gemacht, so dass es auch uns gefällt. Wir sind nämlich keine Cover-Band«. So kündigt der stolze August – in Gamaschen und Kurz-Frack – den Welt-Hit »Dock of the bay« an. Das sanfte Meeresrauschen vom alten Otis fehlt diesmal. »Das ist auch unsere Absicht«, betont August.
Stattdessen kommt eine Prise Jazz rein, ein bissel Avantgardistisches von Gitarrist Tillmann Höhn. Achim Farr improvisiert am Saxophon und an der Mundharmonika, Wolfgang Stamm treibt am Schlagzeug die Band vorwärts, Klaus Bussalb lässt ruhige Bass-Riffs von der Gitarre tropfen.
Riffs tropfen von Gitarre
Und August röhrt aus voller Kehle. August ist eine Mischung aus Joe Cocker, Mick Jagger – den muss er besonders oft beobachtet haben – und auch Ray Charles. August arbeitet den Blues, er schwitzt, tanzt wie ein junger Gott.
Was macht er denn jetzt? Er steppt, Hüftschwung wie Elvis – mit Gamaschen. Das Handtuch ist inzwischen durchgeweicht. Als nächstes ist ein Schwoof von den Stones dran: »Ruby tuesday«. Die FCBB hat auch diesen Hit verändert – zu seinem Vorteil.
Erst kommt ein psychedelisch angehauchter Vorspann. Dann fällt der aus allen Poren schwitzende August schmachtend ein. »Ruby tuesday« ist eigentlich schon langsam genug – die FCBB beweist, dass das Ganze auch im Zeitraffer-Tempo geht. Saxophonist Farr gibt August sanfte Rückendeckung, Tillmann Höhn jammert mit der Bottle-Neck-Gitarre mitfühlend dazu. Und August diktiert die Blues-Ballade buchstabengetreu – in Zeitlupe, zum Mitschreiben.
Vor der Bühne sind sie alle selig. Der etwas andere Blues aus Hessen – verfremdet und facettenreich – ist in der Nacht von Freitag auf Samstag im Kinzigtal angekommen.
Alles geht mal zu Ende – auch die Show der Franfurt City Blues Band. August – mit blinkendem Fingerring und Gitarre (das kann er auch) – hat sich von den 250 Fans zu mehreren Zugaben überschreien lassen. Er hat alles gegeben, ist platt. »Ich könnt’ mich auswringe wie en Putzlappe«, stöhnt er.
Blanke Emotion
Zum Abschied wird der legendäre »Letter« von den »Box Tops« musikalisch verschickt. Zwischen blanker Emotion und Vollgas an den Instrumenten röhrt August »Gimme a ticket for an airoplane« durch die Stadthalle – dann düst die Frankfurt City Blues Band ab.